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IRT entwickelt Mikrofonsystem für Fußballübertragungen

04.09.2008

Neue Aufnahmetechnik für Ballgeräusche bei Fußballübertragungen im Fernsehen

Eine Neuheit für Fußballübertragungen im Fernsehen präsentiert das Institut für Rundfunktechnik auf der internationalen Rundfunk-Fachmesse IBC vom 12. bis 16. September 2008 in Amsterdam. Erstmals zeigt das Münchner Institut den Prototypen eines neuen Mikrofon-Aufnahmesystems, das in der Lage ist, bei Fußballübertragungen die Ballgeräusche so ins Wohnzimmer zu liefern, als würden die Zuschauer selbst auf dem Spielfeld stehen. Ermöglicht wird der verbesserte Klang von Pässen, Stoppbällen und Lattenkrachern durch die hochdynamische und automatische Nachführung von zwei Richtmikrofonen anhand der Positionsdaten des Fußballs.

Seit über zwei Jahren forscht eine Projektgruppe am IRT, inwieweit die Tonmischung bei z.B. Fußballübertragungen durch ballspezifische Geräusche bereichert werden kann, um den Fernsehzuschauer noch stärker ins Spielgeschehen miteinzubeziehen. In der schnellen und automatischen Nachführung von Richtmikrofonen, positioniert an speziellen Orten, wurde jetzt eine Lösung gefunden. Aus der anfänglichen Idee ist inzwischen ein Prototyp entwickelt worden. Erste Tests haben bereits erfolgreich im Münchner Fußballstadium, der Allianz-Arena, stattgefunden.

In Voruntersuchungen und Messungen musste zunächst ein dafür geeignetes Richtmikrofon ausgewählt und die dafür optimale Position im Fußballstadion ermittelt werden. Das Aufnahmesystem besteht aus nur zwei Mikrofonen, welche jeweils im Abstand von 6 m hinter der jeweiligen Torlinie und in einer Höhe von 8 m auf einem ausfahrbaren Stativ montiert werden.

Aufgrund dieser speziellen Position (Mikrofon am Spielfeldende und in 8 m Höhe) treten dort die geringsten Störgeräusche durch Zuschauer auf, da das Mikrofon durch Begrenzung der Neigungs- und Drehwinkel immer nur auf Ziele innerhalb des Spielfeldes gerichtet ist. Auf dem speziellen Stativ des Mikrofons befindet sich eine motorgesteuerte Halterung, der sogenannte Remote-Head. Die eigens dafür konstruierte Mechanik schwenkt und neigt das Mikrofon in zwei Drehachsen. Der sehr schnelle und dennoch leise Motor ist in der Lage, das Richtmikrofon auch bei extremen Bedingungen, wie beispielsweise Ballgeschwindigkeiten von bis zu 137 km/h exakt nachzuführen. Die Positionsdaten, wo sich der Ball gerade genau auf dem Spielfeld befindet, werden von Image-Tracking-Systemen geliefert, die z. B. auch bei der Fußballeuropameisterschaft 2008 zur Ermittlung von Spielstatistiken für Sportjournalisten verwendet wurden. Eine spezielle Software des IRT errechnet aus den optisch generierten Positionskoordinaten des Balls die Steuerbefehle, um das Mikrofon auf die Geräusche des Balls exakt auszurichten.

Da die Schallwellen je nach Ballposition unterschiedlich lange zum Mikrofonstandort unterwegs sind, wird die Nachführung des Mikrofons durch die Software entsprechend verzögert, damit es immer auf den Ort gerichtet ist, vom dem der Schall tatsächlich kommt auch wenn der Ball inzwischen diesen Ort schon wieder verlassen hat. Unerwünschte Fremdgeräusche im aufgenommenen Signal werden anschließend in Abhängigkeit der Ballposition automatisch und effektiv gefiltert.

Der Toningenieur, z.B. im Übertragungswagen, erhält letztlich ein optimiertes Tonsignal des Balls mit nur geringen Störgeräuschen (z.B. durch das Publikum), welche von den sonst üblichen, zahlreichen Mikrofonen am Spielfeldrand übertragen werden würden. Dieses optimierte Signal wird vom Toningenieur schließlich für eine lebendige, bildbezogene Tonmischung herangezogen.

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